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Hans-Michael Wünsch
Der paulinische Brief 2Kor 1-9 als kommunikative Handlung
Eine rhetorisch-literaturwissenschaftliche Untersuchung
Reihe: Theologie
Bd. 4, 1996, 360 S., 30.90 EUR, 30.90 CHF, br., ISBN 3-8258-2603-1


Dieses Buch versucht die Paulusbriefe als das wahrzunehmen, was sie sind: Schriftstücke eines konkreten Absenders an ganz bestimmte Adressaten, verfaßt in einer je eigenen geschichtlichen Situation mit einer darauf bezogenen Wirkabsicht. Sie sind kommunikative Handlungen des Apostels an seinen Gemeinden. Dem versucht die vorliegende Untersuchung dadurch gerecht zu werden, daß sie die damals gültigen Regeln für eine gelingende Kommunikation, wie sie in der antiken Rhetoriklehre sowie in der Epistolographie minutiös beschrieben werden, zur Interpretation paulinischer Texte heranzieht. Gleichzeitig soll mit Hilfe moderner literaturwissenschaftlicher Kategorien der besonderen Eigenart der Briefe als schriftlicher Kommunikation Rechnung getragen werden.

Am Beispiel des Paulusbriefes 2Kor 1-9, der entgegen gängiger literarkritischer Operationen als einheitliches Schreiben anzusehen ist, wird exemplarisch gezeigt, daß der komplexen Abfolge der Texte eine bewußte rhetorische Strategie zugrunde liegt. So ist eine Disposition des Briefes zu beobachten, die nach einer gemeinsamen Einleitung (1,1-14) eine Abfolge zweier parallel angelegter und sachlich aufeinander bezogener Briefteile erkennen läßt. Was der apologetische (1,15-7,3) und der deliberative Briefteil (7,4-9,15) entfalten, ist die Reziprozität von Apostel- und Gemeinderuhm.

Nicht zuletzt werden Funktion und Strategie einzelner Textpartien, deren Integration in ihren vorliegenden Kontext bei bisherigen Interpretationsversuchen oft angezweifelt oder gar abgestritten wird (z.B. 2Kor 3,4-18), aus dem Ganzen des auf ein bestimmtes Ziel hin ausgerichteten Schreibens einsichtig gemacht.





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