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Ulrike Müller Hofstede
Achill, Apoll und Niobe - Das Sublime in Gavin Hamiltons Historienbildern
Eine Studie zur Ästhetik des Göttlichen und Heldenhaften
Reihe: Kunstgeschichte
Bd. 23, 1992, 180 S., 24.90 EUR, 24.90 CHF, gb., ISBN 3-89473-552-X


Der hermeneutischen Problematik wohl bewußt, unternimmt die Autorin nun erstmals den Versuch, eine genaue Bestimmung des Sublimen für die Historienmalerei anhand von ausgewählten Beispielen der Iliasserie Gavin Hamiltons zu leisten. Hier werden auch soziologischen Fragen, etwa nach dem unterschiedlichen Decorum eines Helden im heiligen Zorn und einer schreienden Frau aus dem Volk, ersichtlich. Die Autorin gibt nuanciert, im weitreichenden Rückgriff auf antike philosophische und rhetorische Quellen, Antwort auf die Frage, warum Zorn und Schrecken an bestimmte Darstellungskonventionen gebunden sind, um als sublime Affekte zu wirken. Aber nicht nur die Abgrenzung des Sublimen zum Gewöhnlichen wird behandelt, auch die Abstufung innerhalb des Erhabenen und Göttlichen. So ist der weibliche Schmerz Niobes und ihrer Töchter an sublimer Schönheit Laokoons Todeskampf weit überlegen. Mit einer detaillierten Darstellung einschlägiger Theorien des 18. Jahrhunderts begnügt sich die Autorin nicht. In ihrer Arbeit wird Homer, der größte griechische Dichter, als Urheber und Begründer des Sublimen ersichtlich. Damit gibt sie den Blick frei für den das aristotelische Prinzip der Mimesis von Kunst und Dichtung zurückliegender Jahrhunderte. Das Wesen der Dichtkunst liegt demnach darin, lieber das Unmögliche, welches wahrscheinlich ist, als das bloß Mögliche zu wählen, und gemäß Winckelmann, ist damit der moderne Historienmaler aufgefordert, Homer und den erhabenen Gemälden des antiken Malers Zeuxis nachzueifern.





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