Die soziale Frage in evangelischen Kirchenzeitungen des Jahres 1878

ab 44,90 

Thomas Kremers

„Um die sociale Frage dreht sich gegenwärtig die Welt“

ISBN 978-3-643-15191-9
Band-Nr. 3
Jahr 2022
Seiten 446
Bindung broschiert
Reihe Schriften des Netzwerkes zur Erforschung des Sozialen Protestantismus

Beschreibung

Die evangelische Kirche sah sich in der industriell-kapitalistischen Gesellschaft des Deutschen Kaiserreiches mit einer neuen Form der sozialen Frage konfrontiert. Durch die Analyse eines repräsentativen Spektrums von Kirchenzeitungen kann das Jahr 1878 als erster Höhepunkt eines protestantischen Diskurses zur sozialen Frage identifiziert werden. Größere Teile der Pfarrerschaft und gebildeten Laien als wesentliche Träger des protestantischen Bildungsbürgertums zeichneten sich durch ein beachtliches sozialpolitisches Problembewusstsein aus. Dieser Diskurs ging mit der Institutionalisierung eines sozialen Protestantismus einher.

Im Fokus der Debatte stand die Auseinandersetzung mit dem theologischen und sozialpolitischen Selbstverständnis sowie mit der Sozialdemokratie als einem weltanschaulichem Gegner, der offensiv eine Religionskritik propagierte. In der geringen Wahrnehmung des Alltagslebens der Arbeiterschaft und der Arbeitswelt kam eine soziale Distanz zum Ausdruck. Im Kontext historischer Ereignisse (zwei Attentate auf Kaiser Wilhelm I. und das Sozialistengesetz) ergaben sich Grenzen des Diskurses aus einem Nationalismus und einem konservativen Staats- und Obrigkeitsverständnis. Diese waren häufig mit einer judenfeindlichen Polemik verknüpft. 

Thomas Kremers, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Kirchengeschichte der Universität Duisburg, ehemaliger Lehrer an einer Gesamtschule, Fachleiter für Evangelische Religionslehre und Sozialwissenschaften sowie Kernseminarleiter am Studienseminar Oberhausen.